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Schulinfo >> Kurt Tucholsky

2010-11-03-20-50

Kurt Tucholsky verstand es , seine Gedanken in geistreiche Sprüche zu fassen, pointierte kurze Sätze, über die man lange nachdenken kann. Schüler einer R 10 und einer G 9 haben einige dieser Sprüche in Szene gesetzt - und sich dabei gegenseitig fotografiert. Wir sind Tucholsky:(Flash als SWF) Die Fotos verbinden die jungen Schüler mit dem Namensgeber der Schule. Sie geben seinen Sprüchen ein frisches Gesicht - und neue Bedeutungen.

Burkhard Seidler



Kurt Tucholsky wurde am 9. Januar 1890 in Berlin geboren. Von 1899 bis 1903 besuchte er das französische Gymnasium in Berlin und bis 1907 das königliche Wilhelms-Gymnasium. Bereits zu diesem Zeitpunkt steht Tucholsky in Verbindung mit der Zeitschrift "Ulk", in der er seine ersten Werke veröffentlicht ("Märchen").

1909 legte er nach privater Vorbereitung seine Reifeprüfung ab und begann im selben Jahre sein juristisches Studium an der Universität zu Berlin. Sein Studium beendet Tucholsky 1914 mit der juristischen Doktorprüfung.

1915 macht er seine ersten Erfahrungen mit dem Krieg. Er wird bedingt durch den ersten Weltkrieg als Soldat in den Osten Deutschlands einberufen und von dort aus zunächst auf eine Fliegerschule im Baltikum versetzt. Als er schließlich nach Rumänien versetzt wird, hat er bereits den Dienstgrad eines "Vizefeldwebels" erreicht.

Bis 1924 war Tucholsky unter anderem Chefredakteur des "Ulk" (1918-1920), Volontär beim Bankhaus "Bett, Simon & Co." (1923) sowie Korrespondent der "Weltbühne" und der "Vossischen Zeitung" (1924). Diese Tätigkeiten verlagerten den festen Wohnsitz Tucholskys immer mehr ins Ausland. Deutschland besuchte er nur noch von Zeit zu Zeit.

1926 übernimmt Tucholsky dann bedingt durch den Tod Siegfried Jacobsohns dessen Tätigkeit als Herausgeber der "Weltbühne". Er wandert jedoch bereits 1929 nach Schweden aus, um sich dort in Hindaas (bei Göteborg) niederzulassen.

Durch den in Deutschland aufflammenden Nationalsozialismus wurde Tucholsky 1933 (am 23. August) ausgebürgert. Seine Werke wurden verbrannt.

Tucholsky beging am 21. Dezember 1935 im Alter von 45 Jahren Selbstmord und wurde auf dem Friedhof "Marienfried" bei Schloß Gripsholm beigesetzt.

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Kurt Tucholsky veröffentlichte in den annähernd 25 Jahren seiner schriftstellerischen Tätigkeit fast 2500 Titel unter anderem unter diesen Pseudonymen: Theobald Tiger, Ignaz Wrobel, Peter Panter und Kaspar Hauser. Zu diesen Werken gehörten Gedichte, Chansons, Glossen, Erzählungen, ein Roman, Artikel, Essays und weitere kurze Texte. Tucholsky war ein "Satiriker und Zeitkritiker von großer Treffsicherheit und beißender Ironie", dies wird von ihm zumindest in der heutigen Sekundärliteratur immer wieder behauptet. Auffallend an seinem literarischen Stil ist der oft umgangssprachliche Ausdruck, der seinen Werken zu Grunde liegt. Tucholsky passt sich dabei oft seinem politischen oder räumlichen Umfeld an.

Zu seinen wichtigsten Werken gehören: Rheinsberg (1912); Träumereien an preußischen Kaminen (1920); "Ein Pyrenäenbuch" (1927); Deutschland, Deutschland über alles (1929); Schloß Gripsholm (1931).

Tucholsky und die Politik

An der Qualität Tucholskys politischer Sichtweisen scheiden sich auch in der Gegenwart noch die Geister. So schreibt zum Beispiel Klaus-Peter Schulz in seiner Monographie "Wer war Tucholsky?", dass die politischen Gedanken, die Tucholsky preiszugeben pflegte, schon mal bis zum "geistigen Schwachsinn" mutierten.

Dabei liest sich seine Biographie zur Zeit der Weimarer Republik in etwa wie folgt: "Publizistischer Kampf gegen Reaktion und rechte Sozialdemokratie. Kritik an der Weimarer Republik und ihrer Verfassungswirklichkeit. Eintritt für Frieden und Menschenrechte, massive Vorbehalte gegen die skandalös rechtsstehende Justiz des Weimarer Staates. Attacken gegen Ebert und Stresemann. Zeitweise Hinneigung zur KPD. Mitgliedschaft bei den Freimaurern. Warnung vor dem heraufziehenden Faschismus. Ausbürgerung, Isolation."

Nach dem Studium dieser relativ auffälligen Textquelle fragt sich der Leser jedoch, wie diese Begebenheiten mit den Behauptungen des Klaus-Peter Schulz zusammenpassen. Denn dieser formuliert in seinem Buch eindeutig die These, dass Tucholsky durch seine destruktive Kritik am Weimarer Staat den Faschisten den Weg geebnet habe.

Er habe "ohne sich das selber einzugestehen zu seinem Teil dazu beigetragen, diesen Staat förmlich kaputtzuschreiben". Tucholsky hätte besser "die Republik vor dem Untergang bewahren, die parlamentarische Demokratie retten und von den Schrecken der Hitler-Diktatur bewahren können."

Diese sehr eigenwillige Ansicht widerlegt äußerst nachvollziehbar Dietrich Kittner in seiner Rezension des Buches von Klaus-Peter Schulz, indem er sich mit dem allgemeinen Phänomen der "Nachkriegshistoriker" auseinandersetzt: Kurz, die Menschen, die nicht an dem Geschehen beteiligt waren, haben nach den Ereignissen immer die besten Theorien zur Verhinderung des Fiaskos parat. Somit sind nicht alle Theorien über die politische Gesinnung Tucholskys wirklich wertvoll und es ist nicht immer durch Äußerungen Dritter möglich, ein breites Verständnis für Tucholskys Denkweise zu erlangen.

Tucholsky und der Nationalsozialismus

Tucholsky musste sich schon früh an Kritik und Anfeindungen aus den Reihen seiner politischen Gegner gewöhnen. Doch im "Völkischen Beobachter" vom 20.12.1929 befand sich eine Äußerung, die Tucholsky nachhaltig beschäftigt hat. Es handelte sich dabei um eine Rezension seines Werkes "Deutschland, Deutschland über alles", die ein Mitarbeiter des "Zentralorgans der Bewegung" (Helmut Schütting) verfasst hatte. Diese Rezension trug den Titel: "Drückeberger Tucholskys neueste Deutschenbeschimpfung".

Auszüge aus diesem Artikel:

"Dieses 'Bilderbuch' ist eine Tollheit. Eine Ausgeburt unserer Zeit, die angefressen und krank literarisch dahinsiecht."

"Das Buch ist noch nicht einmal ein Witz."

"Warum spricht nun unsereiner darüber? Weil es die Spatzen von jedem Dach pfeifen, dass man das Nationale in Deutschland besudeln kann, wie man gerade will. Das muss aber endlich einmal aufhören. Nicht die Spatzen zum Schweigen bringen, sondern den Lästerer"

Nicht der Artikel hat Tucholsky beeindruckt, sondern diese direkt indirekte Morddrohung. Diese Angst war nicht unbegründet, denn schon manche Vertreter linksintellektuellen Szene der Weimarer Republik waren von rechtsradikalen Attentätern "zum Schweigen" gebracht worden. Die Angelegenheit war also durchaus ernst zu nehmen.

Trotz der bereits erwähnten Morddrohungen verfasst Tucholsky dennoch weiter Werke, die durch seinen bekannt satirisch-bissigen Stil geprägt sind. So mag sich ein Außenstehender vielleicht die Frage stellen, welches Ziel Tucholsky eben damit verfolgte. Nicht nur der Wille, die Menschen der damaligen Zeit zum Nachdenken zu bringen, sie zum Überdenken Ihrer eigenen Situation zu bewegen, waren Auslöser dafür, dass Tucholsky weiter für seine Ziele kämpfte. Tucholskys Werke setzten sich auch kritisch mit dem 1. Weltkrieg und dem Nationalsozialismus auseinander, so dass sie oft von Ihren Kritikern nur deshalb verachtet wurden, weil sie sich mit diesen zeitgenössischen Themen auf eine so satirische Art und Weise auseinandersetzten.

(Leila Francesca Moysich, 13. Jahrgang)

Kurt Tucholsky

Zu den deutschen Schriftstellern, die aktuelle Ereignisse kritisch und liebenswürdig, witzig und spritzig behandeln konnten, gehörte insbesondere Kurt Tucholsky. Auf Anregung der Schülerschaft erhielt die Kooperative Gesamtschule Flensburg-Adelby 1993 seinen Namen, mit dem man Begriffe wie Menschlichkeit, Völkerverständigung, Gleichberechtigung und freie Entfaltung der Persönlichkeit verbindet. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, uns von diesen Zielen leiten zu lassen.